Schweizer Personenwagenmarkt im 1. Halbjahr 2017 auf Kurs

Eurotax

07 Aug 2017, News

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Von Januar bis Juni 2017 wurden in der Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein insgesamt 158'918 Neuwagen verkauft (+881 PW, +0,6%). Dies ist das drittbeste Halb­jahresergebnis seit der Jahrtausendwende. Auffällig sind erneut die stark schwanken­den Verkaufsergebnisse auf Monatsbasis (April: -10%; Mai: +8,8%; Juni: +2,1%), was nur teilweise mit der punktuellen Häufung von Feiertagen erklärt werden kann. Positiv endete das 1. Halbjahr 2017 auch für den Gebrauchtwagenmarkt: Bis zur Jahresmitte wurden insgesamt 442'174 Handänderungen registriert (+618 PW, +0,1%) – dies nach einem satten Plus von 3,4% im ersten Quartal 2017. Da gleichzeitig allerdings weniger Gebrauchtwagen – auch aus dem Ausland – auf den Markt strömten, sanken die Standzeiten von Occasionen aller Fahrzeugsegmente gleichwohl auf durchschnittlich 96 Tage (-3,0%).

Die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen liessen bis zur Jahresmitte einen kräftigen Konjunkturaufschwung erwarten. In der Realität wuchsen die Exporte tatsächlich rasch an, wohingegen die Binnenkonjunktur und damit auch die Nachfrage nach Neu- und Gebraucht­wagen nur gemächlich zulegten. Die Analysten von BAKBASEL rechnen deshalb nun für die zweite Jahreshälfte mit einem stärkeren Anstieg des Schweizer BIP und damit auch mit steigenden Konsumausgaben für (dauerhafte) Konsumgüter. Das nachzyklische Wachstum hat zur Folge, dass die BIP-Jahresprognose von 1,6% auf 1,4% gesenkt wurde (2018: 1,8%). Für die Schweizer Automobilwirtschaft mindestens ebenso relevant wie eine steigende Konsumnachfrage sind allerdings die anhaltende Abschwächung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro sowie die Zahl der Importe von jungen Gebrauchtwagen und Tages­zulassungen aus dem Euroraum.

Für Urs Wernli, Zentralpräsident Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS), eröffnet sich im Handel mit und bei der Wartung von gebrauchten Fahrzeugen unternehmerischer Spielraum: «Während die Margen im Geschäft mit Neuwagen kontinuierlich sinken, kann sich der Occasionshandel stärker am tatsächlichen Angebot und an der lokalen Nachfrage orientieren. Wenn Garagisten deshalb klug kalkulieren und aktives Occasions-Marketing betreiben, können sie in diesem Geschäftszweig profitabel wirtschaften».

Der Volkswagen-Konzern behauptet seine Marktdominanz

Das erste Halbjahr 2017 dokumentiert eine Verschiebung der Marktanteile einzelner Volks­wagen-Konzernmarken sowie den anhaltenden Konkurrenzdruck der (vor allem) deutschen Mitbewerber. Während der ewige Marktführer Volkswagen erneut deutlich weniger Neuwagen verkaufte (-8,6%) und auch Skoda weniger Fahrzeuge ausliefern konnte (-5,6%), vermochten die ebenfalls zum VW-Konzern gehörenden Tochterunternehmen Audi (+5,4%) und Seat (+36,4%) ihre Neuwagenverkäufe zu steigern. Ebenfalls beeindruckende Verkaufszahlen vermeldeten Mercedes-Benz (+12,1%) sowie die weiteren Marken aus deutscher Fertigung: Ford (+5,8%), Opel (+5,7%), BMW (+1,0%). Sehr gut verliefen die Verkäufe von Neuwagen auch für Toyota (+9,0%), während Renault (-4,9%) als einziger Top10-Vertreter aus Frankreich erneut rückläufige Verkaufszahlen zu beklagen hat. Insgesamt konnten die Top10-Marken ihren Marktanteil im Vorjahresvergleich auf 60,5% (2016: 60,0%) erhöhen, wobei Neuwagen mit einem deutschen Emblem innerhalb der Top10-Rangliste mit einem Anteil von 69,8% (2016: 70,3%) dominieren. Mit Blick auf den Gesamtmarkt stieg der deutsche Marktanteil auf 46,2% (2016: 45,8%).

Die insgesamt rückläufigen Verkaufszahlen der Marke Volkswagen täuschen über die ungebrochene Marktdominanz des Mutterkonzerns hinweg: Von den zehn meistverkauften Modellen zählen hierzulande nämlich allein deren fünf zum Volkswagen-Konzern, wobei diese die Verkaufsränge 1 bis 4 und 6 belegen! Mehr als 5000 Exemplare verkauft wurden dabei einzig vom Skoda Octavia (5186 PW), gefolgt vom VW Golf (4652 PW), VW Tiguan (3019 PW) und VW Polo (2769 PW). Vor dem VW T6 (2216 PW) auf Platz 6 der Modellrangliste vermochte sich einzig Mercedes-Benz mit seiner C-Klasse (2564 PW) zu positionieren. Über alle verkauften Neuwagen hinweg verbleibt der Marktanteil des Volkswagen-Konzerns mit den Marken Volkswagen, Audi, Skoda, Seat und Porsche bei hohen 28,7% (2016: 29,0%).

Top-10-Marken im Neu- und Gebrauchtwagenmarkt (CH + FL) 

Erhebungszeitraum: Januar bis Juni 2017 (Rangierung 2016 in Klammern)

Rang

Neuwagen

+/- %

Marktanteil

Gebrauchtwagen

+/- %

Marktanteil

1

Volkswagen (1)

-8,6%

11,1%

Volkswagen (1)

0,5%

13,9%

2

Mercedes-Benz (3)

12,1%

8,5%

BMW (3)

4,1%

7,4%

3

BMW (2)

1,0%

7,9%

Audi (2)

-3,0%

7,4%

4

Skoda (4)

-5,6%

6,4%

Mercedes-Benz (5)

6.0%

6,7%

5

Audi (5)

5,4%

5,9%

Opel (4)

-3,7%

6,1%

6

Opel (7)

5,7%

4,5%

Renault (6)

-2,1%

4,9%

7

Renault (6)

-4,9%

4,4%

Peugeot (7)

-1,6%

4,6%

8

Ford (8)

5,8%

4,3%

Ford (8)

-2,0%

4,5%

9

Seat (-)

36,4%

3,9%

Toyota (9)

1,8%

3,7%

10

Toyota (10)

9,0%

3,6%

Fiat (10)

-3,1%

3,6%

 

Total

Ø 2,5%

60,5%

Total

Ø -0,1%

62,9%

Ein beeindruckendes Halbjahresergebnis weisen auch die Verkäufe von Neuwagen mit alternativen Antriebskonzepten (7864 PW, +13,2%) auf. Dominiert wird diese Kategorie von Fahrzeugen mit Benzin-Hybrid-Motor (5286 PW, +17,6%), wenngleich das aktuelle Wachstum von reinen Elektrofahrzeugen (2024 PW, +31,6%) mittlerweile bereits fast doppelt so gross ist. Mehr als die Hälfte (1040 PW) der neuen Stromer gehen auf das Konto der kalifornischen Elektroautopioniere von Tesla. Dieser Umstand wird mit der Einführung des neuen Mittelklassewagens «Model 3» mit Sicherheit noch länger andauern. Auf Rekordkurs bewegt sich auch der Anteil der allradgetriebenen Neuwagen (73'634 PW, +8,1%): Trotz 46,3% Marktanteil ist ein Ende des Booms weiterhin nicht abzusehen. Gegenläufig entwickelte sich im Vergleich dazu die Nachfrage nach Neuwagen mit Dieselantrieb (59'567 PW, ‑4,3%). Deren Marktanteil sank auf neu 37,5%.

Dreimal mehr Occasionsfahrzeuge als Neuwagen verkauft

Seit jeher prägt das Geschäft mit Gebrauchtwagen den Fahrzeughandel in der Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein. Insgesamt wechselten im ersten Halbjahr 2017 erneut rund 2,8 Mal mehr Occasionen den Besitzer, als im gleichen Zeitraum Neuwagen zugelassen worden sind. Bezogen auf die Stückzahlen (442'174 PW, +0,1%) entspricht dies allerdings für einmal nur einem marginalen Plus von 618 Fahrzeugen im Vergleich zum Vorjahr. Für den erfolgreichen Verkauf von Neuwagen ist der seit Jahren funktionierende Gebrauchtwagen­markt gleichwohl wichtig, dient dieser doch der Verwertung von Tageszulassungen, Ein­tauschfahrzeugen und Leasingrückläufern.

Mit Ausnahme von Peugeot und Fiat finden sich alle Top-10-Marken des Gebrauchtwagen­marktes auch in der Top-10-Rangliste der meistverkauften Neuwagen wieder. Mit grossem Abstand führt Volkswagen (61'430 PW, +0,5%) die Liste an, vor BMW (32’917 PW, +4,1%), Audi (32’505 PW, -3,0%), Mercedes-Benz (29’552 PW, 6,0%) und Opel (26’840 PW, -3,7%). Mit etwas Abstand folgen Renault (21’887 PW, -2,1%), Peugeot (20'542 PW, -1,6%) und Ford (20’054 PW, -2,0%). Knapp einen Viertel der Stückzahlen von Volkswagen erreichen schliess­lich die Gebrauchtwagen von Toyota (16’440 PW, +1,8%) und Fiat (15'841 PW, -3,1%).

Entgegen anderslautender Gerüchte funktioniert der Occasionsmarkt hierzulande auch für Dieselfahrzeuge, die angesichts der anhaltenden Diskussion über Feinstaubemissionen und Fahrverbote in deutschen Innenstädten in den zurückliegenden Monaten erstaunlich wenig ihres Wiederverkaufswertes verloren haben. «Der kurzfristige Volumendruck auf Seiten des Angebotes – beispielsweise aufgrund von Rückläufern aus dem Flottenmarkt – beeinflusst derzeit das Preisgefüge von Dieseloccasionen mehr als langfristige Überlegungen zu temporären Fahrverboten aufseiten der Nachfrager», erläutert Hans-Peter Annen, Leiter Marktanalyse & Insights von Eurotax Schweiz. «Insgesamt zeigen benzinbetriebene Personenwagen gleichwohl eine etwas stabilere Restwertentwicklung als Dieselfahrzeuge, wie unsere Analyse der indexierten Angebotspreisentwicklung seit Mitte 2015 dokumentiert».

Rückläufige Standzeiten von Gebrauchtwagen

Die robuste konjunkturelle Erholung im Euroraum führte dazu, dass weniger in- und ausländische Tageszulassungen auf den hiesigen Occasionsmarkt strömten. In der Folge gingen die durchschnittlichen Standzeiten im ersten Halbjahr über alle Fahrzeugsegmente auf 96 Tage (-3%) zurück – dies bei einem Nachfragewachstum von gerademal 0,1%! Bemerkenswert ist, dass die Standzeiten aller Fahrzeugsegmente insgesamt rückläufig waren, wenn auch regional stark unterschiedlich. Gebrauchtwagenhändler, die ausgewählte Fahrzeuge überregional verschieben und lokal zum bestmöglichen Preis anbieten können, optimieren so ihre Marge auch in Zeiten knapper Kalkulationen. In durchschnittlich unter 100 Tagen verkaufen lassen sich SUVs und Geländewagen (89 Tage, -1,1%), Kleinwagen (91 Tage, -3,2%), Fahrzeuge der unteren Mittelklasse (93 Tage, -5,1%), Kompakt- und Minivans (95 Tage, ‑4,0%) sowie gebrauchte Fahrzeuge der Mittelklasse (97 Tage, -2,0%). 100 Tage oder länger dauert die Suche nach einem neuen Halter in der Microklasse (100 Tage, -5,7%), in der Oberen Mittelklasse (100 Tage, -4,8%), in der Luxusklasse (118 Tage, -2,5%), bei Coupés (118 Tage, -5,6%) und – mit Blick auf die Jahreszeit etwas überraschend – bei Cabriolets und Roadster (121 Tage, -3,2%).

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