Personenwagenmarkt verharrt im 1. Halbjahr auf hohem Niveau

Eurotax

20 Jul 2016, News

Occasionsmarkt stützt leicht rückläufige Neuwagenverkäufe in der Schweiz

Im zweiten Quartal verlief der Verkauf von Neu- und Gebrauchtwagen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein wie das Quartal zuvor – volatil, auf hohem Niveau, jedoch ohne nennenswerte Wachstumsimpulse. Mehrheitlich werden die Verkäufe per 30. Juni 2016 als zufriedenstellend wahrgenommen: 158'037 neu immatrikulierte Fahr-zeuge (-3761 PW, -2,3%) sind – mit Blick auf das von aussergewöhnlichen Ereignissen geprägte Vorjahr – ein respektables Ergebnis. Positiver entwickelte sich der Gebraucht¬wagenmarkt: Die 441'264 registrierten Handänderungen bedeuten ein neues Allzeit¬hoch (+15'272 PW, +3,6%), was angesichts des historisch tiefen Preisniveaus nicht verwunderlich ist. Letzteres ist die Folge der stark gesunkenen Neuwagenpreise sowie des Überangebotes. Es überrascht deshalb nicht, dass die durchschnittliche Standzeit eines zum Verkauf stehenden Gebrauchtwagens gegenüber Vorjahr um 5 auf 99 Tage anstieg.

Das Wirtschaftswachstum blieb hierzulande im ersten Halbjahr 2016 hinter den Erwartungen und Prognosen zurück. Auch im Euroraum erholte sich die Konjunktur nur verhalten, derweil die Uneinigkeit über den Umgang mit Migrationsströmen, die Brexit-Abstimmung von Ende Juni in Grossbritannien sowie nationale Reformstaus die wirtschaftspolitische Agenda blo-ckierten. Dass Rahmenbedingungen dieser Art negative Auswirkungen auf den Wechselkurs, die Investitionsbereitschaft, die Nachfrage nach Exportgütern und damit letztlich auch auf die Beschäftigung und Konjunktur in der Schweiz haben, ist hinlänglich bekannt. Vor diesem Hintergrund reduziert BAKBASEL die Konjunkturprognosen für 2017/18 um 0,2 Prozent-punkte – für die zweite Jahreshälfte werden hingegen keine weiteren negativen Auswirkungen erwartet. Relevante Impulse für die Investition in langlebige Konsumgüter wie den Kauf von Neuwagen könnten allenfalls von einer erneuten Preissenkung ausgehen – aktuell steigen die Verkaufspreise allerdings eher wieder moderat an.

«Der rückläufige Neuwagenabsatz kann leider nur beschränkt durch höhere Gebraucht-wagenverkäufe kompensiert werden, da die Margen im Gebrauchtwagenhandel stark unter Druck stehen», fasst Urs Wernli, Zentralpräsident Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS), das anspruchsvolle erste Halbjahr 2016 zusammen.

Deutsche Volumenhersteller dominieren die Top-10-Verkaufsrangliste

Es ist keine Überraschung, dass deutsche Volumenhersteller in der Top-10-Verkaufsrangliste überdurchschnittlich gut vertreten sind. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich deren Marktanteil im Vorjahresvergleich auf 69,6% (2015: 69,1%) erhöhte, obschon sich die Neuwagenverkäufe aller Top-10-Marken erneut weniger gut entwickelten (-3,4%) als der Gesamtmarkt (-2,3%). In Bezug auf Letzteren verharrt der Marktanteil deutscher Hersteller bei 45,8%. Dass Marktmacht nicht zwingend mit Mehrverkäufen korrelieren muss, zeigt das Beispiel des Volkswagenkonzerns: Mit Ausnahme von Porsche (+4,1%) mussten alle weiteren Konzernmarken teilweise markante Rückgänge ihrer Verkaufszahlen hinnehmen: Audi ( 13,8%), Seat (-10,7%), Skoda (-4,1%) und Volkswagen ( 3,6%). Insgesamt summiert sich das Minus im Vorjahresvergleich auf -3058 PW (-6,3%) und damit zahlenmässig auf beachtliche 81,3% des gesamten Marktrückganges (-3761 PW)!

Rot sind die Verkaufszahlen im ersten Halbjahr auch bei Peugeot (-16,2%), Opel (-6,4%), Ford (-4,2%) und Renault (-1,6%). Zulegen konnten einzig Mercedes (+7,7%), Toyota (+2,7%) und BMW (+1,6%). Positiv aufgefallen sind die unmittelbaren Verfolger von Toyota: Mazda verkaufte im ersten Halbjahr 17,8% mehr Neuwagen als noch ein Jahr zuvor, Hyundai liegt immerhin noch 5,9% im Plus. Sollte dieses Wachstum anhalten, winken die Plätze 9 und 10 in der Top-10-Rangliste und dies wahrscheinlich auf Kosten von Peugeot und Toyota.

 

Top-10-Marken im Neu- und Gebrauchtwagenmarkt (CH + FL)
Erhebungszeitraum: Januar bis Juni 2016 (Rangierung 2015 in Klammern)

Rang 

Neuwagen 

Marktanteil

Gebrauchtwagen

Marktanteil

1

Volkswagen (1)

12,3%

Volkswagen (1)

13,8%

2

BMW (2)

7,9%

Audi (2)

7,6%

3

Mercedes-Benz (4)

7,6%

BMW (3)

7,2%

4

Skoda (3)

6,8%

Opel (4)

6,3%

5

Audi (5)

5,6%

Mercedes-Benz (5)

6,3%

6

Renault (6)

4,7%

Renault (6)

5,1%

7

Opel (9)

4,3%

Peugeot (7)

4,7%

8

Ford (8)

4,1%

Ford (8)

4,6%

9

Peugeot (10)

3,5%

Fiat (10)

3,7%

10

Toyota (-)

3,3%

Toyota (9)

3,7%

 

Total

60,0%

Total

63,0%

Trotz negativem Gesamtmarkt erneut gestiegen ist die Nachfrage nach alternativ angetrie-benen Personenwagen (+3,4%), wobei allerdings lediglich Fahrzeuge mit Benzin-Hybrid-Motor (4496 PW, +19,1%) sowie – in geringerem Umfang – reine Elektrofahrzeuge (1538 PW, -0,2%) praktische Marktrelevanz aufweisen. Insgesamt erhöhte sich der Marktanteil aller «Alternativen» auf 4,4%. Stark nachgefragt wurden erneut auch 4x4-Fahrzeuge (+9,3%, Marktanteil: 43,1%) sowie Personenwagen mit Dieselmotor (+2,3%, Marktanteil: 39,4%).

Occasionsmarkt stützt rückläufige Neuwagenverkäufe

Wie bereits im ersten Quartal 2016 nahm die Nachfrage nach Gebrauchtwagen auch im gesamten ersten Halbjahr zu und zwar um insgesamt 3,6%. Von Januar bis Juni dieses Jahres wechselten total 441'264 Fahrzeuge den Besitzer (+15'272 PW). Auch bei den Occasionen entwickelten sich die Vertreter der Top-10-Markenrangliste etwas weniger gut (+3,0%) als der Gesamtmarkt (+3,6%). Gleichwohl weisen – mit einer Ausnahme – alle Volumenmarken ein positives Wachstum auf. Stark nachgefragt wurden erneut Gebrauchtwagen von Mercedes-Benz (+6,5%), BMW (+6,2%), Peugeot (+6,0%) und Ford (+4,7%). Etwas verhaltener – ob¬schon ebenfalls positiv – entwickelte sich die Occasions-Nachfrage für Renault (+2,6%), Audi (+1,8%) und Fiat (+1,7%). Prozentual gleichauf mit den Italienern platzierte sich Volkswagen (+1,7%) – volumenmässig spielen die Wolfsburger allerdings in einer komplett eigenen Liga und führen deshalb seit Jahren auch die Verkaufsrangliste unangefochten an. Am anderen Ende der Top-10-Markenrangliste übernahm Toyota (-0,1%) von Fiat den 10. Rang.

Die positive Entwicklung des Gebrauchtwagenmarktes belegt gemäss Eric Sagarra, Country Manager von Eurotax Schweiz, zweierlei: «Zum einen scheint das breite Marken- und Modell¬angebot im Gebrauchtwagenhandel die grosse Nachfrage zu befriedigen. Zum anderen werden insbesondere junge Occasionen von den Händlern offensichtlich konkurrenzfähig kalkuliert. Beides ist für einen funktionierenden Markt unabdingbar.» Regional entwickeln sich die Faktoren Angebot/Nachfrage und Preiselastizität/Preissensitivität allerdings stark unter¬schiedlich, weshalb nur eine regional differenzierte Angebots- und Preisstrategie langfristig zum Erfolg führt.

Anstieg der Standzeiten von Gebrauchtwagen trotz gestiegener Nachfrage

Trotz der grossen Nachfrage stiegen die Standzeiten von Gebrauchtwagen – wie bereits von Januar bis März – auch im 2. Quartal 2016 an. Gründe sind unter anderem die vielen, mehrheitlich als Ersatz getätigten Neuwagenkäufe sowie der anhaltende Zustrom von (vor allem jungen) Occasionen aus dem europäischen Ausland. Folglich nahm die durch-schnittliche Standzeit im Vorjahresvergleich um 5 auf aktuell 99 Tage (+5,3%) zu. Auf einzelne Fahrzeugkategorien heruntergebrochen ergibt sich allerdings ein ziemlich heterogenes Bild! Einzig Fahrzeuge der Luxusklasse wurden von Januar bis Juni stärker nachgefragt als im Vorjahresvergleich (121 Tage, -3,2%). Regelrecht abgestraft wurden hingegen erneut Occasionen in den Kategorien Microklasse (106 Tage, +10,4%), Coupés (125 Tage, +7,8%) und Kleinwagen (94 Tage, +6,8%). Doch auch Fahrzeuge der Mittelklasse (99 Tage, +6,5%), der Unteren Mittelklasse (98 Tage, +5,4%) sowie Kompakt- und Minivans (99 Tage, +5,3%) standen deutlich länger auf dem Hof. Etwas überraschend traf dies auch auf SUVs und Geländewagen (90 Tage, +4,7%) sowie auf die Obere Mittelklasse (105 Tage, +4,0%) zu. Saisonal untypisch und wohl den widrigen Wetterverhältnissen zuzuschreiben war zu guter Letzt der ebenfalls verzögerte Abverkauf bei den Cabriolets und Roadster (125 Tage, +3,3%).

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Über den Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS)

1927 gegründet, versteht sich der AGVS als dynamischer und zukunftsorientierter Branchen- und Berufsverband der Schweizer Garagisten. Rund 4’000 kleine, mittlere und grössere Unternehmen, Markenvertretungen sowie unabhängige Betriebe sind Mitglied beim AGVS. Die insgesamt 39’000 Mitarbeitenden in den AGVS-Betrieben – davon um 8’500 in der Aus- und Weiterbildung stehende Nachwuchskräfte – verkaufen, warten und reparieren den grössten Teil des Schweizer Fuhrparks mit rund 5,5 Millionen Fahrzeugen.

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