Schweizer Personenwagenmarkt überzeugt 2016 mit Punktlandung

Eurotax

02 Feb 2017, News


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Erfreuliche Verkaufszahlen trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Dank rekordhohen Neuzulassungen im Dezember (35'325 PW; +8,2%) traf der hiesige Personenwagenmarkt zum Jahresabschluss praktisch punktgenau die Erwartungen von Marktexperten. Mit insgesamt 317'318 verkauften Neuwagen in der Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein liegt das Ergebnis marginal unter demjenigen des als gut bewerteten Vorjahres (-6465 PW; -2,0%), dafür knapp über der von Eurotax geschätzten Zielgrösse von 315'000 PW. Gegenteilig schloss das Jahr im Gebrauchtwagenmarkt: Trotz einer leichten Abschwächung der Nachfrage im zweiten Halbjahr konnten bis Ende 2016 insgesamt 873'586 Handänderungen registriert werden. Dieses Ergebnis liegt knapp über Vorjahr (+13'747 PW; +1,6%) sowie hauchdünn unter der Prognose von Eurotax (875'000 PW). Das Gebrauchtwagenangebot erhöhte sich derweil aufgrund der vielfach als Ersatz getätigten Neuwagenkäufe weiter, weshalb die durchschnittlichen Standzeiten im Vorjahresvergleich erneut anstiegen (aktuell: 99 Tage, +4,2%).

Das Jahr 2016 schloss für die hiesige Automobilwirtschaft zufriedenstellend. Zwar profitierte die Auslieferung von Neuwagen – zumindest im ersten Quartal – noch von vorgezogenen Neukäufen, die im Nachgang zur Aufhebung der Franken-Euro-Bindung im Januar 2015 getätigt wurden. Dass die Verkäufe anschliessend trotz der währungsbedingten, konjunk­turellen Abkühlung nicht einbrachen, ist raschen Listenpreisanpassungen vonseiten der Importeure, einer anhaltend positiven Konsumentenstimmung sowie historisch günstigen Finanzierungsbedingungen geschuldet. Für 2017 kann bei gleichbleibenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eine Normalisierung – sprich: leichte Abschwächung – der Nachfrage nach Neuwagen sowie eine ebenso leichte Zunahme der Occasionsverkäufe erwartet werden. Für das laufende Jahr rechnen die Marktexperten von Eurotax deshalb mit 310'000 bis 315'000 Neuzulassungen sowie mit 880'000 bis 890'000 Handänderungen.

Urs Wernli, Zentralpräsident Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS), blickt mit Respekt vor den Leistungen der Garagisten im vergangenen Jahr auf 2016 zurück: «Unsere Mitglieder haben einmal mehr bewiesen, dass sie schwierige Rahmenbedingungen zu meistern wissen. Fortlaufende Weiterbildung, beachtliche Investitionen in Showroom, Werkstatt, kunden­orientierte Dienstleistungen und Back-Office sind die Grundpfeiler dieses Erfolgs».

Fast jeder dritte Neuwagen wurde 2016 von der AMAG-Gruppe verkauft

Trotz der enormen Marken-Vielfalt von hierzulande erhältlichen Personenwagen wurde 2016 fast jeder dritte Neuwagen (92'920 PW; 29,3%) von der AMAG-Gruppe – Schweizer General­importeur der Volkswagen-Konzern-Marken VW, Audi, Skoda, Seat – verkauft. Innerhalb der Top-10-Rangliste ist die Dominanz der von AMAG vertretenen Marken mit 43,0% (2015: 43,3%) aller verkauften Neuwagen noch eindrücklicher. Alle deutschen Volumenhersteller zusammen konnten ihren Marktanteil sowohl innerhalb der Top-10-Rangliste (70,9%; +0,5%) als auch in Bezug auf den Gesamtmarkt (46,9%; +0,1%) erneut leicht ausbauen. Gegenteilig entwickelte sich der Marktanteil französischer Hersteller: Er sank im zurückliegenden Jahr sowohl in den Top-10 (12,8%; -1,1%) als auch insgesamt (10,6%; -1,4%).

‘Licht und Schatten’ herrscht auch bei den 10 meist verkauften Markenherstellern: Deutlich höher als im Vorjahr war beispielsweise die Nachfrage nach Neuwagen von Toyota (+5,1%), Mercedes-Benz (+4,2%) und BMW (+2,8%). Ebenfalls knapp über Vorjahr schloss Skoda (+0,4%) das Geschäftsjahr 2016 ab. Teilweise markant schlechter liefen hingegen die Ver­käufe bei Peugeot (-17,5%), Audi (-11,9%), Ford (-4,5%), Opel (-4,2%) und Renault (‑3,5%). Knapp unter Vorjahr schloss auch VW (-0,2%), was angesichts der ganzen Medienpräsenz rund um die sogenannte Diesel-Affäre letztlich positiv überrascht. Mit 11'988 verkauften Neuwagen ist der VW Golf zudem erneut das meistverkaufte PW-Modell der Schweiz, obgleich nur (noch) ganz knapp vor dem Skoda Octavia mit 11'721 verkauften Fahrzeugen.

Top-10-Marken im Neu- und Gebrauchtwagenmarkt (CH + FL)

Erhebungszeitraum: Januar bis Dezember 2016 (Rangierung 2015 in Klammern)

Rang

Neuwagen

+/- %

Marktanteil

Gebrauchtwagen

+/- %

Marktanteil

1

Volkswagen (1)

-0,2%

13,3%

Volkswagen (1)

1,2%

13,9%

2

BMW (2)

2,8%

7,8%

Audi (2)

-2,7%

7,5%

3

Mercedes-Benz (3)

4,2%

7,5%

BMW (3)

3,6%

7,1%

4

Skoda (5)

0,4%

6,6%

Mercedes-Benz (5)

6.4%

6,4%

5

Audi (4)

-11,9%

6,2%

Opel (4)

-2,5%

6,3%

6

Renault (6)

-3,5%

4,5%

Renault (6)

1,3%

5,1%

7

Opel (7)

-4,2%

4,2%

Peugeot (7)

2,3%

4,7%

8

Ford (8)

-4,5%

4,1%

Ford (8)

2,7%

4,6%

9

Peugeot (9)

-17,5%

3,3%

Fiat (9)

-1,6%

3,7%

10

Toyota (-)

5,1%

3,3%

Toyota (10)

-1,6%

3,7%

 

Total

Ø -2,2%

60,7%

Total

Ø 0,9%

62,8%

Mit 15'020 verkauften Personenwagen war 2016 ein gutes Jahr für alternativ angetriebene Fahrzeuge (+11,5%; Marktanteil: 4,7%). Modellvielfalt und Alltagstauglichkeit bescherten insbesondere Autos mit Benzin-Hybrid-Motor (9867 PW: +33,9%, Marktanteil: 3,1%) sowie reinen Elektrofahrzeugen (3295 PW: +1,2%, Marktanteil: 1,0%) eine steigende Nachfrage. Weitere alternative Antriebsarten vermochten im Gegensatz dazu erneut nur wenige Kaufinteressenten zu begeistern. Diametral dazu entwickelte sich die Nachfrage nach 4x4-Fahrzeugen, welche mit einem Marktanteil von 44,2% ein neues europäisches Rekordniveau markieren (140'410 PW, +7,4%). Ebenfalls erneut auf Rekordhoch liegt – trotz Dieselgate – der aktuelle Marktanteil von Fahrzeugen mit Selbstzünder (124'399 PW, -1,2%).

Occasionsmarkt erzielt neue Höchstmarke

Der Gebrauchtwagenmarkt ist für Kaufinteressenten hierzulande nicht zweite Wahl: Dies belegen die seit Jahren steigenden Verkaufszahlen. Auch 2016 fanden mit 873'586 Hand­änderungen (+13'747 PW; +1,6%) so viele Fahrzeuge einen neuen Besitzer wie nie zuvor. Besonders gefragt waren Occasionen von Mercedes-Benz (+6,4%), BMW (+3,6%), Ford (+2,7%), Peugeot (+2,3%), Renault (+1,3%) und VW (+1,2%). Rückläufig waren hingegen die Verkäufe gebrauchter Personenwagen von Toyota (-1,6%), Fiat (-1,6%), Opel (‑2,5%) und Audi (-2,7%). Da sich der Gesamtmarkt etwas besser entwickelte (+1,6%) als die Top-10-Marken (+0,9%), reduzierte sich der Marktanteil letzterer auf 62,8% (2015: 63,3%).

«Rückblickend sind die Verkaufszahlen deutlich besser ausgefallen, als von vielen erwartet worden war», fasst Eric Sagarra, Country Manager von Eurotax Schweiz, das Jahr 2016 zusammen. «Prognosen übersehen nämlich oft, dass der Markt nicht lediglich auf externe Rahmenbedingungen reagiert, sondern ebenso auch von der rasant fortschreitenden Digitalisierung aller wertschöpfenden Prozesse, dem veränderten Medienverhalten von Kaufinteressenten sowie von regional unterschiedlicher Kaufkraft profitieren kann. Mit unseren Produkten unterstützen wir die Marktteilnehmer genau dort, wo sie – auch in herausfordernden Zeiten – Potenzial für Wachstum sehen».

Wachsendes Angebot führt zu steigenden Standzeiten bei Gebrauchtwagen

Der Personenwagenmarkt ist ein komplexes Gebilde: Er wird unter anderem beeinflusst vom Modellangebot, von technologischen Entwicklungen, von der Konsumentenstimmung, von Wechselkursschwankungen und Finanzierungsmöglichkeiten sowie von Direkt-Importen. Als Ersatz getätigte Neuwagenkäufe beeinflussen ihrerseits das Angebot auf dem Gebraucht­wagenmarkt. Kommen steigende Tageszulassungen – auch importierte – hinzu, verlängern sich die Standzeiten von Occasionen trotz moderatem Nachfragewachstum. Obwohl die durchschnittlichen Standzeiten im 4. Quartal um einen Tag sanken, stiegen diese im Ganzjahresvergleich um 4 auf aktuell 99 Tage (+4,2%). Nicht nur witterungsbedingt finden SUVs und Geländewagen (90 Tage, +2,3%) am schnellsten einen Käufer, gefolgt von Klein­wagen (95 Tage, +5,6%), Fahrzeugen der Unteren Mittelklasse (97 Tage, +3,2%), Kompakt- und Minivans (98 Tage, +4,3%) sowie Fahrzeugen der Mittelklasse (99 Tage, +4,2%). Deutlich länger warten Gebrauchtwagen der Oberen Mittelklasse (104 Tage, +0,0%), der Microklasse (106 Tage, +7,1%), Coupés (120 Tage, +4,4%), Cabriolets und Roadster (120 Tage, +0,8%) sowie Fahrzeuge der Luxusklasse (120 Tage, -4,0%) auf einen neuen Besitzer.

 

Über Eurotax

Eurotax Schweiz ist Teil der Autovista Gruppe, Europas führendem Anbieter von Informationen, Daten, Publikationen und Dienstleistungen rund um Fahrzeuge aller Art. Eurotax schafft mit aktuellen, unabhängigen Daten Markttransparenz für die gesamte Automobilbranche.

 

Über den Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS)

1927 gegründet, ist der AGVS heute der führende und verantwortungsbewusste Branchen- und Berufsverband der Schweizer Garagisten. Rund 4000 kleine, mittlere und grössere Unternehmen, Markenvertretungen sowie unabhängige Betriebe sind Mitglied beim AGVS. Die insgesamt 39’000 Mitarbeitenden in den AGVS-Betrieben – davon um 8500 in der Aus- und Weiterbildung stehende Nachwuchskräfte – verkaufen, warten und reparieren den grössten Teil des Schweizer Fuhrparks mit rund 6 Millionen Fahrzeugen.

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