Schweizer Personenwagenmarkt entwickelt sich auf Vorjahresniveau

Schweizer Personenwagenmarkt entwickelt sich auf Vorjahresniveau


Dieselfahrzeuge unter Druck – Benziner und Alternative stark gefragt

In der Schweiz sowie im Fürstentum Liechtenstein bewegen sich die Verkäufe neuer Personenwagen weiterhin auf Kurs: Von Januar bis September 2017 wurden insgesamt 231’483 Neuwagen immatrikuliert (-700 PW, -0,3%). Wie bereits in der ersten Jahres­hälfte fallen auch im 3. Quartal erneut starke Schwankungen der monatlichen Verkaufs­zahlen auf (Juli: -4,6%; August: +5,6%; September: -6,2%). Mit Blick auf die robusten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen darf für das Gesamtjahr dennoch weiterhin mit einem Ergebnis auf Vorjahresniveau (rund 325’000 PW) gerechnet werden. Ebenfalls leicht schwächer als im gleichen Zeitraum des Vorjahres entwickelte sich in den ersten neun Monaten der Gebrauchtwagenmarkt: Bis Ende September wechselten total 650’289 Occasionen den Besitzer (-2040 PW, -0,3%). Trotzdem sanken die durchschnitt­lichen Standzeiten auf 96 Tage (-3,0%).

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen haben sich seit Jahresbeginn deutlich aufgehellt. Dies gilt sowohl für die Schweiz als auch für das europäische und globale Umfeld. Ge­bremst durch das schwache erste Halbjahr ergibt sich für 2017 trotzdem nur ein BIP-Wachs­tum von 1%. Die Analysten von BAKBASEL rechnen allerdings für 2018 mit einer deutlichen Dynamisierung der Binnenkonjunktur und erhöhen deshalb ihre BIP-Prognose auf 2,3%. In Kombination mit der positiven Arbeitsmarktentwicklung, moderat steigenden Löhnen sowie einer weiteren Abschwächung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro dürfen somit eine erhöhte Ausgabenbereitschaft der privaten Haushalte für (dauerhafte) Konsumgüter sowie weiter steigende Ausrüstungsinvestitionen aufseiten des Gewerbes und der Industrie erwartet werden. Dies wird auch den Verkäufen von Neu- und Gebrauchtwagen zugute­kommen. Ob der aktuelle Nachfragerückgang bei Dieselfahr­zeugen mit Benzinern oder mit alternativ angetriebenen Personenwagen kompensiert werden wird, bleibt abzuwarten.

«Die Dieselthematik belastet bei vielen Mitgliedern das Tagesgeschäft», stellt Urs Wernli, Zentralpräsident Auto Gewerbe Verband Schweiz (AGVS), fest. «Es ist viel Aufklärungsarbeit gegen­über verunsicherten Kunden zu leisten, um die unbestrittenen Vorzüge des Diesel­antriebs darzustellen. Auch mit Blick auf weiter sinkende CO2-Grenz­werte und langstrecken­taug­liche Alternativen führt kein Weg an Dieselfahrzeugen vorbei».

Dieselantrieb unter Druck – Alternative weiterhin sehr gefragt

Der Schweizer Neuwagenmarkt ist trotz seiner beachtlichen Marken- und Modellvielfalt relativ übersichtlich. Seit Jahren teilen sich – mit sporadischen Ausnahmen auf den hinteren Rängen – immer dieselben, mehrheitlich deutschen Hersteller die Top-10-Ränge auf der Verkaufs­rangliste. So hat per Ende September des laufenden Jahres wiederum Volkswagen am meisten Personenwagen verkauft (26’097 PW, ‑10,2%), obschon der Vorsprung auf Mercedes-Benz zusehends kleiner wird (20’016 PW, +11,8%). Auch BMW (17’918 PW, -2,0%), Škoda (15’030 PW, -3,5%) und Renault (10’479 PW, -0,2%) verloren im Vergleich mit ihrem Mitbewerber aus Stuttgart Marktanteile. Verkaufszuwächse verzeichnen konnten hingegen Audi (14’163 PW, +4,7%), Opel (10’397 PW, +4,7%), Ford (10’104 PW, +3,0%), Seat (8’793 PW, +23,1%) und Toyota (8’083 PW, +4,8%). Die Japaner laufen jedoch Gefahr, ihren Vorsprung auf Fiat bis Ende Jahr einzubüssen und aus den Top-10 verdrängt zu werden, sofern die Italiener ihr beeindruckendes Wachstum (+25,4%) beizubehalten vermögen. Insgesamt konnten die Top-10-Marken ihren Marktanteil im Vorjahresvergleich auf 60,9% (Q3/2016: 60,4%) ausbauen, wobei Neuwagen mit einem deutschen Emblem innerhalb der Top-10-Rangliste mit einem Anteil von 70,0% (Q3/2016: 70,7%) deutlich dominieren. Mit Blick auf den Gesamtmarkt liegt der deutsche Marktanteil – wie bereits ein Jahr zuvor – bei 46,5%.

Auffällig sind die Verschiebungen innerhalb der unterschiedlichen Antriebsarten: Während Neuwagen mit Dieselantrieb (85’056 PW, ‑6,9%) der anhaltend negativen Medienpräsenz Tribut zollten, werden reine Elektrofahrzeuge (3144 PW, +32,0%) sowie Fahrzeuge mit Benzin-Hybrid-Motor (8286 PW, +16,0%) weiterhin stärker nachgefragt. Per Ende September betrug das Wachstum aller alternativen Antriebskonzepte beeindruckende 13,1% und deren Marktanteil neu 5,3%! Diese Entwicklung vermag die CO2-Gesamtbilanz jedoch nicht zu glätten, die aufgrund des sinkenden Dieselanteils (‑6,9%; Marktanteil: 36,7%) sowie infolge des anhaltenden Allrad-Booms (+6,4%; Marktanteil: 46,4%) zunehmend in Schieflage gerät.

 

Top-10-Marken im Neu- und Gebrauchtwagenmarkt (CH + FL)

Erhebungszeitraum: Januar bis September 2017 (Rangierung 2016 in Klammern)

Rang Neuwagen +/- % Marktanteil Gebrauchtwagen +/- % Marktanteil
1 Volkswagen (1) -10,2% 11,3% Volkswagen (1) -0,9% 13,8%
2 Mercedes-Benz (3) 11,8% 8,6% BMW (3) 3,8% 7,5%
3 BMW (2) -2,0% 7,7% Audi (2) -1,9% 7,4%
4 Skoda (4) -3,5% 6,5% Mercedes-Benz (4) 4.4% 6,7%
5 Audi (5) 4,7% 6,1% Opel (5) -4,5% 6,0%
6 Renault (6) -0,2% 4,5% Renault (6) -1,8% 5,0%
7 Opel (7) 4,7% 4,5% Peugeot (7) -1,2% 4,7%
8 Ford (8) 3,0% 4,4% Ford (8) -3,0% 4,5%
9 Seat (-) 23,1% 3,8% Toyota (10) 1,2% 3,7%
10 Toyota (10) 4,8% 3,5% Fiat (9) -2,7% 3,6%
  Total Ø 1,2% 60,9% Total Ø -0,6% 62,8%

 

Diesel-Occasionsfahrzeuge weiterhin gut verkäuflich

Zwei Themen beschäftigen Gebrauchtwagenhändler seit Monaten: Erodieren die Preise für Occasionsfahrzeuge weiterhin im Gleichschritt mit dem Rückgang der Verkaufspreise für Neuwagen und lassen sich Fahrzeuge mit Dieselantrieb trotz der anhaltenden Polemik und negativen Medienpräsenz weiterhin zu realistischen Preisen an- und verkaufen?

Seit der Aufhebung des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro durch die Schweizerische Nationalbank sind die Angebotspreise im Fachhandel für Gebrauchtwagen von Januar 2015 bis Ende 2016 um rund 10 Prozent gesunken. Mit der deutlichen Abschwächung des Schweizer Frankens im laufenden Jahr haben sich die Preise wieder stabilisiert. Auch Dieselfahrzeuge sind weiterhin gefragt. «Die erzielbaren Preise für Dieselfahrzeuge sind in der Schweiz bisher nur wenig gesunken, wenn auch leicht stärker als ihre Pendants mit Benzinmotoren», stellt Martin Novak, Managing Director von Eurotax Schweiz, fest. «Wir verzeichnen allerdings eine leichte Zunahme des Diesel-Fahrzeug-Angebotes sowie etwas längere Standtage. Beides ist noch nicht besorgniserregend. Empfehlenswert ist gleichwohl, das Angebot aufmerksamer und zeitnaher zu managen als dies bisher notwendig war.»

Insgesamt wechselten in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres 650’289 Gebraucht­wagen (-0,3%) den Besitzer. Wer Occasionen von Volkswagen (89’507 PW, -0,9%) im Angebot hatte, konnte sich über mangelnde Nachfrage erneut nicht beklagen. Etwas mehr als die Hälfte der Stückzahlen von Volkswagen erreichten Händler mit Gebrauchtwagen von BMW (48’648 PW, +3,8%) und Audi (48’020 PW, -1,9%), etwas weniger als die Hälfte mit Occasionen von Mercedes-Benz (43’302 PW, +4,4%) und Opel (39’124 PW, -4,5%). Dahinter verteilen sich Renault (32’443 PW, -1,8%), Peugeot (30’307 PW, -1,2%), Ford (29’281 PW, ‑3,0%) und Toyota (24’003 PW, +1,2%) auf den Rängen 6 bis 10 der Top-10-Markenrangliste des hiesigen Gebrauchtwagenmarktes.

Erneut rückläufige Standzeiten von Gebrauchtwagen

Im Gebrauchtwagenhandel sind Standzeiten von Occasionen eine wichtige Messgrösse für die Kalkulation betriebswirtschaftlich vertretbarer Ankaufs- und Verkaufspreise. Es ist deshalb erfreulich, wenn wie in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres geschehen, die Standzeiten aller Fahrzeugsegmente sinken – und dies teilweise deutlich. Im Vorjahres­vergleich gingen die Standzeiten im ersten Halbjahr auf durchschnittlich 96 Tage (-3%) zurück, obschon das Marktwachstum stagnierte (-0,3%). Weniger Ersatzbeschaffungen im Neu­wagenmarkt sowie weniger Zufluss von Gebrauchtwagen aus dem Ausland führten – trotz erneut steigender Kurzzulassungen – zu einer leichten Verknappung des Angebotes.

Dass das Interesse an Gebrauchtwagen nicht zwingend mit deren Grösse oder PS-Zahl einhergeht, zeigt die Tatsache, dass sowohl Kleinwagen (90 Tage, -5,3%) als auch SUVs und Geländewagen (90 Tage, -1,1%) in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres gleicher­massen stark gefragt waren. In durchschnittlich unter 100 Tagen verkauften sich auch Fahr­zeuge der unteren Mittelklasse (93 Tage, -5,1%), Kompakt- und Minivans (95 Tage, ‑3,1%) sowie gebrauchte Fahrzeuge der Mittelklasse (97 Tage, -2,0%). 100 Tage oder länger standen Fahrzeuge der Microklasse (100 Tage, -6,5%), der Oberen Mittelklasse (102 Tage, ‑2,9%), Coupés (118 Tage, -3,3%), Cabriolets und Roadster (119 Tage, -3,3%) sowie Fahrzeuge der Luxusklasse (120 Tage, -1,6%) auf dem Hof. Die Nachfrage nach Letzteren variiert regional besonders stark (z.B. Süd-CH: 135 Tage; +22,7% / West-CH: 115 Tage; -3,4%), weshalb Händler im Vorteil sind, die Gebrauchtwagen überregional anbieten und verschieben können.


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